Natura-2000-Manager/in Deutschland:
„Lehrgang über Grundlagen, Ökologie und Management von europaweit geschützen Arten und Lebensraumtypen “




Prof. Dr. Stefan Brunzel
Fachhochschule Erfurt

E-Learning-Lehrgang

Vorschau Panoramabild
Jetzt einloggen!

Video: Mehr lebendiges Totholz im Wald

Screenshot Video Totholz

Natura 2000 und Wald

Wälder und andere bewaldete Flächen in der EU-28 umfassen zurzeit 176 Millionen Hektar, was etwa 42 % der EU-Landfläche entspricht. Für die Menschen in Europa erfüllen sie eine Vielzahl von Zwecken, einschließlich wirtschaftlicher, ökologischer und kultureller Vorteile, und gehören gleichzeitig zu unseren wertvollsten terrestrischen Lebensräumen und sind Heimat vieler Pflanzen- und Tierarten.

Der Wert der biologischen Vielfalt der Wälder in Europa variiert stark in Abhängigkeit von vielen verschiedenen Faktoren wie Bewirtschaftung, Geschichte, Alter oder Struktur. Die meisten europäischen Wälder sind in gewissem Maße von menschlichen Eingriffen betroffen - etwa drei Viertel der Wälder in Europa sind gleich alt („Altersklassenbestände“), Bestände mit zwei oder mehr Baumarten nehmen 67 % der Waldfläche ein, 33 % der Wälder bestehen aus Beständen, die von einer einzigen Baumart dominiert werden. Nur weniger als 2 % der Wälder werden überhaupt nicht genutzt (natürliche Waldentwicklung, „Prozessschutz“) und befinden sich vorzugsweise in den Kernzonen von Nationalparken, Deutschland beispielsweise will diesen Anteil im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie auf 5% erhöhen (Quelle: Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt Kabinettsbeschluss vom 7. November 2007). In der Vergangenheit konzentrierte sich die Waldbewirtschaftung hauptsächlich auf die Holzproduktion, was in den meisten Fällen zu einer Homogenisierung der Bestände, vor allem dem Verlust totholzreicher Stadien und die damit verbundenen Organismen führte und auf diese Weise der Fähigkeit der Wälder beeinträchtigte, Ökosystemleistungen vorzuhalten. Auch vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen sind heutzutage der Erhalt und der Schutz der biologischen Vielfalt und damit resilienter Waldlebensräume eine der wichtigsten Herausforderungen, vor der wir stehen

Das Natura-2000-Netz, das größte Schutzgebietssystem auch für Wälder in Europa, muss dazu den notwendigen Kompromiss zwischen Naturschutz und Waldbewirtschaftung abbilden. Das Natura-2000-Netz umfasst rund 375 000 km² Waldfläche, was etwa 50 % der gesamten Natura-2000-Schutzgbietsläche und etwa 21 % der gesamten Waldressourcen in der EU entspricht. Das Netz der Natura-2000-Schutzgebiete umfasst verschiedene Waldlebensräume, die sich vor allem hinsichtlich ihrer Lebensgemeinschaften, aber auch im Hinblick auf Größe, abiotische Umweltfaktoren (Klima, Böden) und in ihrer Bewirtschaftung unterscheiden. Während einige Gebiete, vor allem alte Wälder, aufgrund der Nationalen Biodiversitätsstrategie völlig aus der Nutzung genommen werden, um vor allem die im Wirtschaftswald unterrepräsentierten, an Totholz gebundenen Organismen und Ökosystemfunktionen zu fördern (Bässler et al. 2014, Paillet et al. 2009 Conservation Biology 24, Müller, Jörg 2015), können geeignete nachhaltige Waldbewirtschaftungsmethoden durchaus im Einklang mit vielen Naturschutzzielen im Wald stehen.

Nachhaltig und naturnah bewirtschaftete Wälder können abhängig vom jeweiligen Nutzungstyp und den standörtlichen Gegebenheiten ebenfalls einen hohen Wert für die biologische Vielfalt haben. So profitieren bestimmte Organismengruppen von nachhaltig naturnah bewirtschafteten Wäldern (e.g. Paillet al 2009, Gossner et al . 2013) oder bestimmte Nutzungsformen wie Mittelwald (e.g. Dolek et al. 2018 ). Die Wahl einer geeigneten Bewirtschaftungsstrategie ist in dieser Hinsicht entscheidend. Das notwendige Wissen über Waldökosysteme und die Folgen verschiedener Waldbewirtschaftungsmethoden ist daher entscheiden für ein zielführendes Management dieser Lebensräume und die entsprechenden Natura-2000-Schutzgebiete.

Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation and Nuclear Safety (BMU) (2007): National Strategy on Biological Diversity, October 2007.

Bässler C., Ernst R., Cadotte M., Heibl C., Müller J. (2014): Near-to-nature logging influences fungal community assembly processes in a temperate forest. Journal of Applied Ecology

Dolek M, Kőrösi Á, Freese-Hager (2018). A Successful maintenance of Lepidoptera by government-funded management of coppiced forests. Journal of Insect Conservation 43: 75-83.

Paillet, Y. et al. (2009): Biodiversity Differences between Managed and Unmanaged Forests: Meta-Analysis of Species Richness in Europe. Conservation Biology 24(1): 101-112.

Müller J. (2015): Prozessschutz und Biodiversität Überraschungen und Lehren aus dem Bayerischen Wald- Natur und Landschaft 9/10: 421-425.

Gossner M., Lachat T., Brunet J., Isacsson G., Bouget C., Brustel H., Branld R., Weisser W., Müller J. (2013): Current Near-to-Nature Forest Management Effects on Functional Trait Composition of Saproxylic Beetles in Beech Forests. Conservation Biology 27.

Datum: 07.12.2022
Online: https://www.natura2000manager.de
© 2022 Prof. Dr. Stefan Brunzel – All rights reserved.

Schließen