Natura-2000-Manager/in Deutschland:
„Lehrgang über Grundlagen, Ökologie und Management von europaweit geschützen Arten und Lebensraumtypen “




Prof. Dr. Stefan Brunzel
Fachhochschule Erfurt

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Neobiota

Neobiota sind Pflanzen (Neophyten) und Tiere (Neozooen), die nach 1492 – also dem Jahr der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus – Regionen besiedeln, in denen sie „von Natur aus“ vorher nicht heimisch waren (Nentwig 2010, Kowarik 2010). Dieses Datum markiert einen Zeitpunkt, an dem es beispielhaft zu ersten Mal möglich war, dass europäische Arten den amerikanischen Kontinent (und umgekehrt) erreichen konnten. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie Arten sich in Gebiete ausbreiten, in denen sie bis dahin nicht einheimisch waren: Entweder zufällig durch unbeabsichtigtes Verschleppen oder Entweichen aus Gärten o.ä. oder durch absichtliches Freisetzen aufgrund irgendeines Nutzungszweckes (Baur 2021). Bekannte Beispiele für Letzteres sind in Deutschland der Kaukasische Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) oder der Waschbär (Procyon lotor).

Viele Neobiota bleiben in ihrer neuen Heimat selten und auf wenige Standorte beschränkt. Einem Teil gelingt es jedoch, sich in den schon vorhandenen Lebensgemeinschaften zu etablieren, und nur ein kleiner Teil breitet sich in den von ihnen neu besiedelten Regionen stark aus (Kowarik 2010). Einige diesen „invasiven“ Arten können ökologische Schäden anrichten, indem sie einheimische Arten verdrängen oder sie richten ökonomische Schäden an, indem sie Verkehrswege beeinträchtigen und kostenaufwendig bekämpft werden müssen. Diese potentiellen oder tatsächlichen Gefahren, die von invasiven Arten ausgehen, werden bewertet (Nehring et al. 2013). Daraus werden dann für Deutschland und Europa Maßnahmen zu ihrer Eindämmung oder ggf. Bekämpfung abgleitet (http://neobiota.bfn.de/).

Grundsätzlich haben Einwanderungen von Arten in bisher von ihnen nicht besiedelte Gebiete auch von Natur aus schon immer stattgefunden, allerdings hat die Geschwindigkeit durch menschliche Verkehrswege drastisch zugenommen. In großen Räumen, z.B. in Europa, stellen neu einwandernde Arten für die Einheimischen meistens keine Gefahr da (Kowarik 2010). Insbesondere aber in relativ kleinflächigen Gebieten wie z.B. Inseln sind einheimische Arten der Konkurrenz von Neueinwanderern häufig unterlegen und können ihnen kaum ausweichen. Da die auf diesen Inseln vorkommenden Arten häufig aber Endemiten sind, also nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen, stellen Neobiota auf Inseln häufig eine extreme Bedrohung für die weltweite Biodiversität dar (Nentwig 2010).

Fotogalerie


Bundesamt für Naturschutz (BfN): http://neobiota.bfn.de/.

Kowarik I. (2010): Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2. Aufl., Ulmer Verlag, Stuttgart.

Nehring S., Kowarik I., Rabitsch W & Essle F. (Hrsg.) (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wildlebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352: 1-204.

Nentwig W. (2010): Invasive Arten. UTB Profile. Haupt Verlag, Bern.

Datum: 07.12.2022
Online: https://www.natura2000manager.de
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