natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder

Subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichenwald oder Eichen-Hainbuchenwald (Carpinion betuli). Natura2000 - Code: 9160

Auf wechselfeuchten oder zeitweilig staunassen Böden im Tiefland oder vor allem am Rande von Auen der Mittelgebirge ist es für die Buche zeitweilig zu nass, so dass unter natürlichen Bedingungen ein Eichen-Hainbuchenwald zur Vorherrschaft gelangen kann. Er ist in der Krautschicht durch die Charakterart der Gesellschaft Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (Stellario-Carpinetum), die Große Sternmiere (Stellaria holostea) gekennzeichnet. Typische und häufige Begleiter sind Poa nemoralis, Anemone nemorosa, Viola riviniana oder Glechoma hederacea. Der Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald nimmt entlang eines Feuchte-Gradienten von der häufig überschwemmten Aue hin zu trockeneren Böden standortökologisch ein schmales Band zwischen Hartholz-Auenwäldern (Alno-Ulmion) bzw. Schwarzerlen-Auwäldern (Alno-Padion) und den Buchen-Wäldern auf den Normal-Standorten ein. Durch (ehemalige) Niederwald-Nutzung wegen der Stockausschlags-Freudigkeit der beiden Quercus-Arten und der Hainbuche stark gefördert, wachsen bzw. wuchsen Eichen-Hainbuchenwälder insbesondere in den Mittelgebirgen auch auf „Buchen-fähigen“ Normal-Standorten auf mittleren Verhältnissen.

Beschreibende Pflanzenarten

BuschwindröschenGroße SternmiereGundermannMoschuskraut

Verbreitung

Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder findet man in ganz Deutschland. Aufgrund der Standortvorraussetzungen vorwiegend aber in den Auen der Mittelgebirge und im Tiefland.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Gefährdet sind die Eichen-Hainbuchenwälder durch Nährstoffeinträge, zu intensive Fortwirtschaft und durch hohe Wildbestände. Natürliche Vorkommen benötigen außer dem Fernhalten der Hauptgefährdungen kein weiteres Management. In durch Niederwaldnutzung entstandenen sekundären Vorkommen ist u.U. gezielte Pflege notwendig, um andere Baumarten nicht zur Vorherrschaft gelangen zu lassen. Ausreichend stehendes und liegendes Totholz ist aufgrund der zahlreichen Totholzbewohner wichtig. Teilbereiche sollten komplett aus der Nutzung genommen werden.

Kartierhinweise

Die Unterscheidung vom wärmeliebenden Eichen-Hainbuchenwald erfolgt vor allem durch Feuchtezeiger sowie das Fehlen der Charakterarten des wärmeliebenden Typs wie z.B. Galium sylvaticum.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ9160.html
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1993): Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil IV. Wälder und Gebüsche. G. Fischer, Jena. 862 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.

Datum: 23.05.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/waelder/subatlantischer-oder-mitteleuropaeischer-stieleichenwald-oder-eichen-hainbuchenwald-carpinion-betuli/
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