natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Fichtenwälder der hohen Mittelgebirge und Alpen
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Montane bis alpine bodensaure Fichtenwälder

Montane bis alpine bodensaure Fichtenwälder (Vaccinio-Piceetea). Natura2000 - Code: 9410

Der FFH-Lebensraumtyp 9410 "Montane bis alpine, bodensaure Fichtenwälder" wird häufig auch kurz "Berg-Fichtenwald" oder "Subalpiner Fichtenwald" genannt (vgl. Ellenberg & Leuschner 2010, Bick 1998). Diese natürlichen Fichtenwälder wachsen in den hochmontanen bis subalpinen Lagen der hohen Mittelgebirge ab ca. 800 m auf sauren Böden, in den subalpinen bis alpinen Lagen der Alpen ab ca. 1400 m auch über Kalk (vgl. Bohn & Welß 2003). Ersterer wird auch "Hercynischer Fichtenwald" genannt und ist in den Mittelgebirgen Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Oberpfälzer- und Bayrischer Wald sowie Schwarzwald über Urgesteinen oder Rotliegendem auf Nadelstreu-Rohhumus verbreitet. Neben der Fichte kommt in der Baumschicht wenig Acer pseudoplatanus vor, innerhalb ihres Verbreitungsgebietes bis in die hochmontane Stufe auch die Weißtanne Abies alba. Diese war in den Berg-Fichtenwäldern ursprünglich nicht selten, durch forstliche Bevorzugung der Fichte, sauren Regen in den 1980er Jahren und starken Wildverbiss ist die Tanne aber extrem zurückgedrängt worden. In einer zweiten Baumschicht sind baumförmige Ebereschen (Sorbus aucuparia) besonders charakteristisch für die Berg-Fichtenwälder. Auffällig ist auch das Vorkommen von Moorbirken außerhalb von Mooren.

In der artenarmen Krautschicht prägen Dominanzbestände von Calamagrostis villosa oder auch Vaccinium myrtillus das Bild. Diesen beiden Arten sind nur wenige Begleiter wie Trientalis europaea, Vaccinium vitis-idaea, Melampyrum sylvaticum und selten die Orchideen Listera cordata und Corallorhiza trifida beigesellt. Häufig treten dagegen Farne wie Dryopteris carthusiana, Blechnum spicant oder Thelypteris limbosperma oder die Bärlappe Huperzia selago und Lycopodium annotinum auf, sowie viele Moosarten.

Berg-Fichtenwälder zeichnen sich durch eine Reihe charakteristischer Vogelarten aus. Es sind dies Rauhfuss, Habichts- und Sperlingskauz, Tannenhäher, Fichten-Kreuzschnabel und Ring-Drossel sowie – wo noch nicht verschwunden – das Auerhuhn. Einige dieser Arten wie z.B. Rauhfusskauz, Tannenhäher und Fichten-Kreuzschnabel finden sich auch in den nicht natürlichen Fichtenforsten tieferer Lagen.
Die Berg-Fichtenwälder der Alpen sind auch über Kalk durch den Niederschlagsreichtum oberflächlich versauert. Trotzdem sind sie aber in der Krautschicht zumeist artenreicher als die Berg-Fichtenwälder der sauren Mittelgebirge. Es finden sich häufig z.B. Aposeris foetida, Moneses uniflora oder Knautia dipsaciifolia und dort, wo die saure Nadelstreu-Rohhumusauflage dünn oder wegerodiert ist, wachsen über Kalk dann sofort kalkzeigende Pflanzenarten.

Beschreibende Pflanzenarten

EberescheHeidelbeerePreiselbeereRippenfarnSiebensternWolliges ReitgrasKleinblütiges EinblattKleines Zweiblatt

Verbreitung

Natürliche Fichtenwälder findet man nicht in allen Bundesländern. In Deutschland kommen natürliche Fichtenwälder vorwiegende in den Alpen und Alpenvorland vor, sowie in den hohen Mittelgebirgen Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Oberpfälzer- und Bayrischer Wald, Schwarzwald. Naturferne Fichtenforste in tieferen Regionen zählen nicht dazu.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Die Hauptgefährdungen sind auch hier zu intensive Forstwirtschaft und zu hohe Wildbestände. Maßnahmen sind außer dem Fernhalten der genannten Gefahren nicht notwendig.

Kartierhinweise

Entscheidend ist die Dominanz von Fichte auf ihrem natürlichen Standort. Vor allem in den Mittelgebirgen in Höhenlagen, in denen natürlicherweise schon Fichten vorkommen können, ist durch die starke forstliche Überformung nicht immer zu erkennen, ob dort stockende Fichtenwälder natürlich oder überwiegend anthropogenen Urpsrungs sind.

Literatur

  • Bohn, U. & Welß, W. (2003): Die potentielle natürlich Vegetation. In: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland; Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg-Berlin, S.84-87.
  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ9410.html
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1993): Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil IV. Wälder und Gebüsche. G. Fischer, Jena. 862 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.
  • Bick, H (1998): Grundzüge der Ökologie. 3. Aufl. Spektrum Akademischer Verlag. 390 S.

Datum: 08.12.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/waelder/montane-bis-alpine-bodensaure-fichtenwaelder-vaccinio-piceetea/
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