natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Hartholzauewälder
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Hartholzauenwälder

Hartholzauewälder mit Quercus robur, Ulmus laevis, Ulmus minor, Fraxinus excelsior oder Fraxinus angustifolia (Ulmenion minoris). Natura2000 - Code: 91F0

 

Mit wachsender Entfernung vom Gewässerufer und abnehmender Überschwemmungshäufigkeit- und dauer werden die Weiden-Weichholz-Auwälder dann von Hartholz-Auwäldern abgelöst, die in Baum-, Strauch- und Krautschicht zu den artenreichsten Wäldern Mitteleuropas zählen (vgl. Ellenberg & Leuschner 2010). Das liegt zum Einen daran, dass nahezu alle mitteleuropäischen Baumarten in die Hartholzaue der Konkurrenzkraft der Buche ausweichen. So wird die Hartholzaue vor allem von Stieleiche (Quercus robur) und den Ulmenarten Ulmus laevis und U. minor charakterisiert. Es kommen aber ebenfalls sehr häufig Fraxinus excelsior sowei die beiden Ahorn-Arten Acer pseudoplatanus und A. platanoides vor, seltener auch Acer campestre. Zum Anderen liegt der Artenreichtum der Hartholzaue am Nährstoffreichtum infolge der regelmäßigen Überflutungen, weshalb die Hartholzaue zu den produktivsten Standorten bzw. Ökosystemen in Mitteleuropa gehört. Dies zeigt sich unter anderem auch an der einer von „Lianen“ geprägten Strauchschicht. Zu diesen Lianen zählen z. B. die Wildform der Weinrebe Vitis vinifera (nur noch sehr selten) und Clematis vitalba, die Waldrebe, von den vor allem letztere üppige dichte Bestände bildet. Aber auch andere Sträucher nährstoffreicherer Standorte wie Crataegus ssp., Viburnum opulus, Eunonymus europaeus oder Lonicera xylosteum sind häufig zu finden. Die Krautschicht weist neben vielen Nitrophyten und Arten der Schwarzerlen-Eschen-Auwälder häufig auch üppige Geophyten-Bestände von z.B. Scilla bifolia oder Allium ursinum auf, die im Frühling den Boden der Hartholzaue bedecken.

In der Folge von Flussbegradigungen, aufgrund der hohen Produktivität und der durch Eindeichungen reduzierten Hochwasserereignisse sind Hartholz-Auen und mithin ihre Wälder großflächig in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt worden. Damit zählen Hartholz-Auwälder nach wie vor zu den am stärksten gefährdeten Waldtypen Mitteleuropas (vgl. Ellenberg & Leuschner 2010, Plachter 1991).

 

Beschreibende Pflanzenarten

BärlauchZweiblättriger Blaustern

Verbreitung

Hartholzauenwälder waren in Deutschland überall in den Überflutungs- und Sickerwasserbereichen entlang der größeren Flüsse verbreitet. Heute sind diese Wälder weitestgehend zerstört und fast nur noch entlang der Elbe und des Rheins stellenweise anzutreffen.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Hauptgefährdungsursachen sind wie bei den Weichholzauen die Veränderung in der Überflutungsdynamik (z. B. Staustufenbau), der Gewässerausbau (Uferverbau, Begradigungen, Schiffbarmachung), die Gewässerunterhaltung, der Sand- und Kiesabbau, die Aufforstung mit Fremdbaumarten und die Rodung mit Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen.
In weiten Teilen Mitteleuropas sind diese Auenwälder stark gefährdet. Zur Entwicklung und Wiederherstellung dieser Wälder ist eine natürliche Überflutungsdynamik anzustreben. Eine forstliche Nutzung der wenigen Restbestände sollte unterbleiben.

Kartierhinweise

Voraussetzung der Zuordnung ist neben des Vorkommens der Baum- und Straucharten ein weitgehend intaktes Überflutungsregime. Polder und Außendeiche, die der Überflutung entzogen sind, sind i.d.R. ausgeschlossen. Diese können evtl. als Entwicklungspotential angesehen werden. 

Literatur

  • Bohn, U. & Welß, W. (2003): Die potentielle natürlich Vegetation. In: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland; Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg-Berlin, S.84-87.
  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ9110.html
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1993): Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil IV. Wälder und Gebüsche. G. Fischer, Jena. 862 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.
  • Plachter, H. (1991): Naturschutz. G. Fischer, Stuttgart. 463 S.

Datum: 17.10.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/waelder/hartholzauewaelder-mit-quercus-robur-ulmus-laevis-ulmus-minor-fraxinus-excelsior-fraxinus-angustifolia-ulmenion-minoris/
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