natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

Ansprechpartner

Prof. Dr. Stefan Brunzel
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Hainsternmieren-Erlen-Auwälder
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Schwarzerlen-Eschen- und Weiden-Auwälder

Auen-Wälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae). Natura2000 - Code: 91E0*

Entlang von kleinen bis mittelgroßen Fließgewässern wächst im Hügelland und in den Mittelgebirgen ein Auwald, der von Schwarzerle (Alnus glutinosa) dominiert wird. Dieser ist regelmäßig die Esche (Fraxinus excelsior) beigemischt, seltener Acer pseudoplatanus. In der zweiten Baumschicht und der Strauchschicht findet sich regelmäßig die Traubenkirsche (Prunus padus). In höheren Lagen der Mittelgebirge und im Osten wird der Schwarzerlen-Eschen-Auwald von Grauerlen-Auwäldern abgelöst.
Die dominierende Gesellschaft im Schwarzerlen-Eschen-Auwald ist der Hain-Sternmieren-Schwarzerlenauwald mit der Charakterart Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum) in der Krautschicht. Dieser Wald ist häufig artenreich, so kommen als typische Begleiter von S. nemorum in der Krautschicht fast immer Stachys sylvatica, Geum urbaunm, Ranunculus ficaria, Adoxa moschatellina, Ajuga reptans, Elymus caninus, Phalaris arudinacea, Urtica dioica, Petasites hybridus und in höheren Lagen dann auch Aconitum napellus oder A. variegatum sowie Chaeropyhllum hirsutum dazu. In der Strauchschicht finden sich regelmäßig Johannisbeer-Arten wie Ribes rubrum. Über basenreichem Untergrund wachsen in der Krautschicht immer auch Arten der frischen Waldmeister-Buchenwälder wie Allium ursinum, Mercuralis perennis oder Actaea spicata. Insbesondere in den schmaleren Auen Grünland-geprägten Mittelgebirgstälern ist der Schwarzerlen-Eschen-Auwald zumeist nur als 1 – 3 Meter breiter Galeriewald ausgeprägt, in den Quellbereichen der Fließgewässer oder in wasserdurchsickerten Hangbereichen dominiert dann Fraxinus excelsior und Acer pseudoplatanus nimmt zu, in der Krautschicht charakersiert die Winkelsegge (Carex remota) diesen Wald dann als Winkelseggen-Eschen-Quellwald.
Mit zunehmender Größe der Fließgewässer und der Breite ihrer Aue nimmt auch ihr Einzugsgebiet zu, was zu länger anhaltenden Hochwasser-Ereignissen und damit einhergehender, längerer Überflutung führt. Gleichzeitig nimmt die Fließgeschwindigkeit ab und das Substrat wird feiner. Diese Faktoren führen dazu, dass die Schwarzerlen-Eschen-Auwälder allmählich in Weiden-Auwälder übergehen. Dies sind an kleineren Fließgewässern zunächst noch Bruchweiden-Auwälder mit Salix fragilis, in den tieferen Lagern dominiert dann Salix alba und mit ihr die Silberweiden-Auwälder des Salicion albae.  Beiden Weiden-Arten sind in der Strauch- und Baumschicht typischerweis andere Weidenarten wie Salix viminalis, S. triandra oder S. purpurea beigemischt. Die Krautschicht ist relativ arm, vor allem an charakteristischen Arten und wird von Nitrophyten wie Urtica dioica und Arctium-Arten dominiert oder aufgrund der hohen Überschwemmungsdauer von Arten der Schilfröhrichte wie Phragmites communis, Glyceria maxima oder Iris pseudacorus.

Beschreibende Pflanzenarten

Kriechender GünselScharbockskrautSchwarz-ErleWald-Ziest

Verbreitung

In Deutschland war der Lebensraumtyp ursprünglich an allen Fließgewässern z. T. auch mit größeren Beständen vorhanden. An Oberläufen und im Bergland ist er heute oft nur als schmaler Waldstreifen oder kleinflächig in Quellgebieten ausgebildet. An den großen Flüssen wie Rhein, Donau, Elbe und Oder ist der Weidenauwald nur stellenweise noch großflächig vorhanden. Oft sind Baumreihen der typischen Arten die letzten Reste der Auwälder.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Hauptgefährdungsursachen sind Veränerungen in der Gewässerdynamik, Gewässerausbau und -unterhaltung sowie die Freizeitnutzung. In intakten Auen mit natürlicher Überflutungsdynamik ist kein Management erforderlich. Auwälder mit gestörter Überflutungsdynamik verändern sich langsam zu anderen Wäldern. Zur Renaturierung ist die Wiederherstellung der Gewässerdynamik erforderlich.

Kartierhinweise

Entscheidend für die Zuordnung ist ein intaktes Wasserregime. Polder und Außendeiche, die von der natürlichen Überflutung abgeschlossen sind, gehören nicht zum LRT. Lückige fragmentierte Bestände, bei denen die Lücken zwischen den einzelnen Bäumen größer als die Baumhöhe sind, sind als Baumreihen zu werten und gehören ebenfalls nicht zum LRT.

Literatur

  • Bohn, U. & Welß, W. (2003): Die potentielle natürlich Vegetation. In: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland; Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg-Berlin, S.84-87.
  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ91e0.html
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1993): Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil IV. Wälder und Gebüsche. G. Fischer, Jena. 862 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.

Datum: 23.05.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/waelder/auen-waelder-mit-alnus-glutinosa-und-fraxinus-excelsior-alno-padion-alnion-incanae-salicion-albae/
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