natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Prof. Dr. Stefan Brunzel
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Alpiner Lärchen- und Arvenwald
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Alpine Lärchen- und/oder Arvenwälder

Alpiner Lärchen- und/oder Arvenwald. Natura2000 - Code: 9420

In der oberen subalpinen Stufe ab ca. 1600 m ü NN wird der Berg-Fichtenwald in den nördlichen und südlichen Kalkalpen zumeist von Latschenwald bzw. -gebüsch aus Pinus mugo abgelöst, in den Zentralalpen über Urgestein häufig (in den Kalkalpen auch aufgrund menschlicher Einflüsse nur noch selten) vom Lärchen-Zirbenwald abgelöst (FFH-LRT 9420). Dieser ist durch nicht nachhaltige Nutzung insbedondere der Zirbenbestände für Nutzholz stark zurückgedrängt worden, was in vielen Alpenländer zu einer frühen Unterschutzstellung der Zirbe als Art und der restlichen - vor allem zentralalpinen - Lärchen-Zirbenwälder in frühen Schutzgebieten geführt hat (Lit.). In diesen alten Schutzgebieten, in denen meist auch schon längere Zeit jede forstliche Nutzung unterblieben ist, wachsen zum Teil sehr alte Lärchen-Zirbenwälder, nicht selten bis in Höhenlagen von 2.200 m. Besonders beeindruckende Bestände finden sich im berühmten Aletschwald in der Schweiz, oberhalb von Sulden im Stilfser-Joch-Nationalpark (Südtirol, Italien), im oberen Kaunertal in Tirol (Österreich) sowie im Nationalpark Kalkalpen in den oberösterreichischen Voralpen.

Lärchen-Zirbenwälder sind in der Kraut- und Strauchschicht artenreich: Auf saurem Untergrund prägt Rhododendron ferrugineum, über Kalk die Schwesterart R. hirsutum das Bild. Häufig finden sich Juniperius communis ssp. alpina, Lonicera alpina, Sorbus aucuparia, Rosa pendulina oder Salix appendiculata. In der Krautschicht sind Ericaeen wie Vaccinum myrtills, V. vitis-idaea und auch V. uliginosum typisch. Auch die auffälligen Arten Campanula scheuchzeri und Valeriana tripteris sind nicht selten. Säurezeiger wie Solidago virgaurera, Luzula sylvatica und Calamagrostis villosa wachsen überwiegend in Lärchen-Zirbenwälder über Urgestein, Kalkzeiger wie Erica carnea, Calamagrostis varia oder Polygala chamaebuxus entprechend in den wenigen verbliebenen Beständen über Kalk.

Beschreibende Pflanzenarten

Rippenfarn

Verbreitung

Die Lärchen-Arvenwälder sind in Deutschland auf wenige kleine Vorkommen in den Hochlagen der nördlichen Kalkalpen, z. B. im Berchtesgadener Raum, beschränkt. Die Hauptvorkommen des Lebensraumtyps liegen in den Hochlagen der Zentralalpen, also z. B. in Österreich und in der Schweiz.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Außer zu intensiver Forstwirtschaft und zu hoher Wilddichten bestehen wenig Gefahren für die Bestände. Pflegemaßnahmen sind nicht notwendig.

Kartierhinweise

Die Bestände stocken ausschließlich in ihrem natürlichen Lebensraum. In naturfernen Lärchenforsten in tieferen Lagen wachsen keine Zirben.

Literatur

  • Bohn, U. & Welß, W. (2003): Die potentielle natürlich Vegetation. In: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland; Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg-Berlin, S.84-87.
  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ9420.html
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1993): Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil IV. Wälder und Gebüsche. G. Fischer, Jena. 862 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.
  • Bick, H (1998): Grundzüge der Ökologie. 3. Aufl. Spektrum Akademischer Verlag. 390 S.

Datum: 17.10.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/waelder/alpiner-laerchen-arvenwald/
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