natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Nährstoffarme Seen mit Armleuchteralgen
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche kalkhaltige Stillgewässer mit Armleuchteralgen

Oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer mit benthischer Vegetation aus Armleuchteralgen. Natura2000 - Code: 3140

Der Lebensraumtyp umfasst oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer aller Höhenstufen mit submersen Armleuchteralgenbeständen (Ordnung Charetalia). Die Bestände sind meist artenarm mit Unterwasserrasen mit enger Anpassung an den Wasserchemismus und Nährstoffgehalt (von sauerstoffreichem Substrat bis zu Sapropelbildung oder Salzeinfluß).

Der Lebensraumtyp umfasst primäre und sekundäre Vorkommen (z.B. Teiche). Letztere müssen einer (halb)natürlichen Entwicklung unterliegen.

Zum Lebensraumtyp gehören nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche basen- und kalkreiche Seen, Teiche und Altwasser mit Vegetation von Armleuchteralgen (Chara), von denen verschiedene Arten in Deutschland vorkommen, wobei der Kenntnisstand noch relativ gering ist. Dies hängt damit zusammen, dass professionelle Untersuchungen in Form von "Tauchgängen" stattfinden  müssen.

Seen mit Armleuchteralgen bieten auch vielen Unterwasserorganismen wie Wasserkäfern, Eintags-, Stein- und Köcherfliegen wichtigen Lebensraum. Auch viele Fischarten leben hier, wobei dies, besonders wenn der Mensch in die Artenzusammensetzung eingreift, für die Armleuchteralgen ein Problem darstellen kann.

Beschreibende Pflanzenarten

Verbreitung

Die Gewässer mit Armleuchteralgen haben ihre Hauptverbreitung im norddeutschen Tiefland, sowie im Alpenvorland. Sie kommen in allen Höhenstufen vor. Große nährstoffarme Seen mit Armleuchteralgen sind in Deutschland selten. Aufgrund von Nährstoffeinträgen sind viele Lebensräume verloren gegangen, wobei Vorkommen auch aufgrund der schwierigen Erfassung noch nicht bekannt sind. Bedeutende bekannte Vorkommen finden sich vor allem in den mecklenburgischen und brandenburgischen Seenplatten.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Hauptgefährdungsursachen dieser Gewässer sind Nährstoff- und Schadstoffeintrag, Kies- und Sandabbau, Grundwasserabsenkung, Uferverbau und -befestigung, fischereiliche Nutzung und Freizeitnutzung.

Für den Lebensraumtyp ist keine Pflege erforderlich. Es gilt möglichst alle Nähr- und Schadstoffeinträge zu verhindern (ggf. Pufferzonen einrichten, Wassereinzugsbereich berücksichtigen) bzw. zu vermindern. Badebetrieb und fischereiliche Nutzung müssen besonders bei kleinen nährstoffarmen Gewässern verhindert werden.

Kartierhinweise

Für die Abgrenzung ist neben der entsprechenden Vegetation das Vorherrschen oligo- bis mesotropher Verhältnisse sowie kalkreiches Wasser wesentlich.

Die Abgrenzung umfasst das gesamte Gewässer, in dem die Vegetation der aufgeführten Syntaxa vorkommt. Neben dem eigentlichen Wasserkörper gehört auch der amphibische Bereich mit Röhrichten, Hochstaudenfluren und Seggenriedern dazu. Bestände der genannten Vegetationseinheiten, die außerhalb von oligotrophen oder mesotrophen Gewässern vorkommen, sind ausgeschlossen. Vorkommen in technischen Gewässern zählen nicht dazu, ältere Abbaugewässer mit natürlicher Entwicklung sind jedoch als wichtige Sekundärlebensräume einzubeziehen.

Characeen-Bestände des Brackwassers gehören zu den Lebensraumtyp 1130 Ästuarien, 1150 Lagunen oder 1160 Boddengewässer. Flache Schlenken mit Characeen in Kalkflachmoorkomplexen gehören zum Lebensraumtyp 7230. Limnokrenen mit Characeen und Kalktuffbildung sind dem Lebensraumtyp 7220 zuzuordnen.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ3140.html
  • Pott, R. & Remy, D. (2000): Gewässer des Binnenlandes, Ulmer Stuttgart 2008. 255 S.
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1998): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil I. Fels- und Mauergesellschaften, alpine Fluren, Wasser-, Verlandungs- und Moorgesellschaften. G. Fischer, Jena, 4. Aufl.315 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.

Datum: 23.05.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/suesswasser/oligo-bis-mesotrophe-kalkhaltige-gewaesser-mit-benthischer-vegetation-aus-armleuchteralgen/
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