natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

Ansprechpartner

Prof. Dr. Stefan Brunzel
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Altarme
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Natürliche und naturnahe nährstoffreiche Stillgewässer mit Laichkraut oder Froschbiss-Gesellschaften

Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions. Natura2000 - Code: 3150

Der Lebensraumtyp umfasst natürliche eutrophe Seen und Teiche einschließlich ihrer Ufervegetation mit Schwimm- und Wasserpflanzenvegetation. Es handelt sich um Seen, Teiche, Sölle oder um Altwässer/Altarme mit stehendem Wasser in den Stromtälern.Dazu gehören Wasserlinsendecken (Lemnetea), Laichkrautgesellschaften (Potamogetonetea pectinati mit Potamogeton div spec.), Krebsschere (Stratiotes aloides), Teich -und Seerosen (Nuphar lutea u. Nyphaea alba), Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) oder Wasserschlauch (Utricularia ssp.). An Unterwasserarten sind Hornblatt- und Tausenblattarten (Ceratophyllum spp. und Myriophyllum spp.) zu nennen. In Altwässern der großen Ströme finden sich auch seltenere Arten wie Schwimmfarn (Salvinia natans), Algenfarn (Azolla filiculoides) oder die extrem bedrohte Wassernuss (Trapa natans).

Diese Gewässer sind ideale Lebensräume für viele Tierarten. Vor allem die Fischfauna ist zahlreich, z.B. Bitterling (Rhodeus amarus), Moderlieschen (Leucaspius delineatus), Brachse (Abramis brama), Hecht (Esox lucius), Döbel (Squalius cephalus), Aland (Leuciscus idus), Flussbarsch (Perca fluviatilis) oder Schleie (Tinca tinca).

Ebenso besiedeln viele Vogelarten die natürlichen Seen und ihre Umgebung, z.B. Teich-, Schilf- und Drosselrohrsänger, Gänsesäger, Teichralle, Wasserralle und Blessralle, diverse Taucher- und Entenarten, Zwergrohrdommel oder Eisvogel.

An Amphibien seinen genannt: Rotbauchunke, Europäische Sumpfschildkröte, Laubfrosch, Ringelnatter, Teich- und Seefrosch, Kammmolch.

Unter den Libellen können fast alle Arten der Stillgewässer an den Altarmen nachgewiesen werden, z.B. das Große und das Kleine Granatauge (Erythromma najas, E. viridulum) oder die sehr seltene Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis), die ihre Eier fast ausschließlich an die Krebsschere ablegt.

Eingeschlossen sind primäre und bei Vorliegen einer (halb)natürlichen Entwicklung auch sekundäre Vorkommen (z. B. Teiche).

Beschreibende Pflanzenarten

Verbreitung

Nährstoffreiche Seen und Teiche mit Unterwasserpflanzen sind überall in Deutschland sehr verbreitet. Große natürlich nährstoffreiche Seen findet man zahlreich in den Seenplatten der Schleswig-Holsteinischen Geest, in den Mecklenburger und Brandenburger Seenplatten sowie im Alpenvorland.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Hauptgefährdungsursachen dieser nährstoffreicheren Gewässer sind Nährstoff- und Schadstoffeinträge (z. B. Abwassereinleitungen), Grundwasserabsenkung, Uferverbau, intensive fischereiliche Nutzung, Bootsverkehr und andere Freizeitnutzungen. Sehr kleine Gewässer (z. B. Sölle) sind auch durch Verfüllung bedroht.

Eine Pflege ist nicht erforderlich. Lediglich Nähr- und Schadstoffeinträge sind soweit möglich zu verhindern bzw. zu vermindern. Eine extensive fischereiliche Nutzung (ohne Zufütterung oder Besatz) ist bei vielen Gewässern möglich. Zu intensiver Bootsverkehr ist zu vermeiden, da dadurch die Uferbereiche geschädigt werden. Renaturierungen (z.B. durch naturnahe Gestaltung der vorher befestigten Ufer) können sehr hilfreich sein.

Kartierhinweise

Kriterium zur Abgrenzung dieses Lebensraumtyps ist das Vorkommen von Vegetation der aufgeführten Syntaxa in eutrophen Stillgewässern. Die Abgrenzung umfasst das gesamte Gewässer, in dem die Vegetation der aufgeführten Syntaxa vorkommt. Neben dem Wasserkörper ist auch der amphibische Bereich mit seinen Röhrichten, Hochstaudenfluren und Seggenriedern in die Abgrenzung mit einzubeziehen. Vorkommen der Vegetationstypen in langsam fließenden Gewässern sind ausgeschlossen.

Technische Stillgewässer und hypertrophe Gewässer sind nicht zu erfassen. Altwässer sowie einseitig angebundene, nicht durchströmte Altarme von Flüssen sind (auch wenn künstlich entstanden) eingeschlossen.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ3150.html
  • Pott, R. & Remy, D. (2000): Gewässer des Binnenlandes, Ulmer Stuttgart 2008. 255 S.
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1998): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil I. Fels- und Mauergesellschaften, alpine Fluren, Wasser-, Verlandungs- und Moorgesellschaften. G. Fischer, Jena, 4. Aufl.315 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.

Datum: 08.12.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/suesswasser/natuerliche-eutrophe-seen-mit-einer-vegetation-des-magnopotamions/
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