natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Prof. Dr. Stefan Brunzel
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Fließgewässer mit üppiger Wasservegetation
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Fließgewässer mit flutender Wasservegetation

Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion. Natura2000 - Code: 3260

Bei ausreichend guter Wasserqualität und natürlichem Untergrund können sich in Bächen und Flüssen Wasserpflanzen ansiedeln und einen ebenso optisch ansprechenden wie wertvollen Lebensraum darstellen.

Die Zuordnung zu diesem Lebensraum (u.a. als Lebensraumtyp im internationalen Naturschutz; Natura 2000) findet weniger aufgrund der Morphologie, sondern aufgrund der Pflanzenwelt statt. Je nachdem wo sich das Gewässer befindet, also z.B. im hügeligen Mittelgebirge oder flachen Tiefland oder je nach Gestein kann der Untergrund deshalb sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Von feinen, schlickig-sandigen Materialien bis zu Schotter oder felsigen Substraten. Auch die Strömungsgeschwindigkeit kann variieren; während sie in Gräben oder Altarmen gering ist, steigt die Fließgeschwindigkeit in typischen Flüssen der Mittelgebirge.

Als Wasserpflanzen findet man die verschiedensten Pflanzenarten, teilweise auch als Mosaik gemeinsam an einem Standort. Während im Frühjahr meistens noch nicht sehr viel von den Pflanzen zu bemerken ist, treten sie im Verlauf des Jahres immer mehr hervor und können wie am Beispiel des Flutenden Hahnenfußes (Ranunculus fluitans) zum Zeitpunkt der Blüte fast die gesamte Wasseroberfläche abdecken (Foto).

Naturnahe und natürliche Fließgewässer mit Wasserpflanzen sind ein sehr wichtiger Lebensbereich für viele Tier- und Pflanzenarten. Als typische Pflanzenarten können neben den bereits genannten Flutenden Wasserhahnenfuß beispielhaft Schild-Wasserhahnenfuß (Ranunculus peltatus), Pinselblättriger Wasserhahnenfuß (Ranunculus penicillatus), Haarblättriger Wasserhahnenfuß (R. trichophyllus), Gewöhnlicher Wasserhahnenfuß (R. aquatilis); untergetauchte, im Wasserkörper befindliche Formen von Einfachem Igelkolben (Sparganium emersum), Berle (Berula erecta), Gewöhnlichem Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), Wassersternarten (Callitriche spp.), Wechselblütiges Tausendblatt (Myriophyllum alterniflorum), Knoten-Laichkraut (Potamogeton nodosus) und Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus) genannt werden. Viele Moosarten schließen sich an.

Natürlich denkt man bei den Tieren zuerst an zahlreiche Fischarten, von denen exemplarisch Bachneunauge (Lampetra planeri), Westgroppe (Cottus gobio), Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) und Steinbeißer (Cobitis taenia) genannt werden können.

Unter den Insekten selbstverständlich auch Libellenarten wie die Gebänderter Prachtlibelle (Calopteryx splendes) und Blauflügel Prachtlibelle (Calopteryx virgo) oder verschiedene Keiljungferarten, wie die Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia). Darüber hinaus verschiedene Wasserinsektenarten aus den Ordnungen der Steinfliegen und Köcherfliegen.

Dieser Lebensraum ist auch das Habitat für die seltene Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) und den Fischotter (Lutra lutra). Eisvogel, Flussuferläufer, Uferschwalben, Wasseramsel und Gebirgsstelze können als typische Vogelarten genannt werden.

Beschreibende Pflanzenarten

Flutender Wasserhahnenfuß

Verbreitung

In Deutschland sind Flüsse und Bäche mit Unterwasservegetation von den Ebenen bis in die Bergstufe der Gebirge in allen Naturräumen weit verbreitet. Der Schwerpunkt des Vorkommens erstreckt sich von den Unterläufen der Bergbäche bis in die größeren Flüsse. In Baden-Württemberg liegen z.B. Verbreitungsschwerpunkte in den Naturräumen Schwarzwald, Schwäbisch Fränkischer Wald, Alpenvorland, Albvorland, Schönbuch und Glemswald, Stromberg und Odenwald sowie in Teilbereichen an Donau, Argen, Wutach, Murg, Neckar, Rems, Enz, Nagold, Kocher, Jagst und Tauber. In Rheinland-Pfalz konzentrieren sie sich aber auf die westliche Eifel, kleinere Bereiche des Westerwaldes und vor allem auf den Pfälzerwald sowie die Fließgewässer, die vom Haardtrand durch die Rheinaue zum Rhein fließen. In Sachsen finden sich Häufungen im Mulde-Lößhügelland und in den Mittelgebirgen (Vogtland, Erzgebirge, Sächsische Schweiz). Auch in allen anderen Bundesländern ist dieser Lebensraum nicht selten.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Wie für alle Fließgewässer ist die Hauptgefährdungsursache der Fließgewässerausbau mit Aufstauungen, Uferverbau und -befestigungen, Sohlenverbau, Gewässerbegradigung, Stromgewinnung sowie Nährstoff- und Schadstoffeintrag. Weitere Gefährdungen sind Wasserentnahme, Erwärmung der Gewässer, Schifffahrt, fischereiliche Nutzung und intensive Freizeitnutzung.

Es gilt daher die natürliche Fließgewässerdynamik zu erhalten und die Gewässer mit ihrem gesamten Wassereinzugsgebiet vor Nährstoff- und Schadstoffeinträgen zu bewahren. In vielen Gewässern ist ggf. ein Rückbau von Sohl- und Uferbefestigungen oder Staustrecken erforderlich.

Kartierhinweise

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Literatur

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Datum: 23.05.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/suesswasser/fluesse-der-planaren-bis-montanen-stufe-ranunculion-fluitantis-und-des-callitricho-batrachion/
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