natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Prof. Dr. Stefan Brunzel
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Huminsäurereiche Seen und Teiche
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Dystrophe Stillgewässer

Dystrophe Seen und Teiche. Natura2000 - Code: 3160

Klare extrem nährstoffarme ("dystrophe") Seen und Teiche auf moorig-torfhaltigem Untergrund, durch Huminsäuren dunkel gefärbt und mit sehr niedrigen pH-Werten.

Der Lebensraumtyp umfasst sowohl primäre als auch sekundäre Vorkommen (z. B. Teiche), letztere, wenn sie einer (halb)natürlichen Entwicklung unterliegen.

Zum Lebensraumtyp gehören neben Seen und Teichen oft auch nur Kleingewässer im Kontakt zu Mooren oder Torfen (Moorkolke, Randlagg, "Mooraugen"). Sie sind stets sauer und weisen oft Torfmoose in der Verlandungszone oder im Gewässer selbst auf.

Beschreibende Pflanzenarten

Verbreitung

In Deutschland sind moorige Seen selten, aber als Kleingewässer in allen Großregionen Deutschlands verbreitet. Das natürliche Hauptverbreitungsgebiet sind die Moorlandschaften in den Norddeutschen Niederungen und den alpinen Vorgebirgen.

In Baden-Württemberg liegen Schwerpunkte der Verbreitung neben dem Alpenvorland im Schwarzwald. Hierunter fallen alle natürlichen Moorseen und z.T. auch Torfabbauweiher, aber in aller Regel nicht die Fischweiher in den genannten Regionen. In Bayern vorwiegend im Naturraum Südliches Alpenvorland. Bedeutende Vorkommen liegen daneben auch in den Naturräumen Schwäbisch-Bayerische Voralpen und Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge. In Rheinland-Pfalz kommen moorige Seen nur sehr selten vor. Im Bereich einiger Wooge im Pfälzerwald und in der Pfälzer Moorniederung (NSG Neuwoog) sowie an einigen Maaren in der Eifel kann - selten - die charakteristische Vegetation gefunden werden. In Sachsen finden sich moorige Stillgewässer vor allem im Sächsisch-Niederlausitzer Heideland, insbesondere in den Naturräumen Königsbrück-Ruhlander Heiden, Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet, Muskauer Heide und Düben-Dahlener Heide. Kleinflächig kommen die Gewässer auch im Hügelland (beispielsweise in der Westlausitz oder Großenhainer Pflege) und Bergland, insbesondere in den Hochmoorgebieten des Erzgebirges, vor. In Mecklenburg-Vorpommern tritt der Lebensraum vor allem im Bereich sandiger Grund- und Endmoränen sowie in Sandern auf. Verbreitungsschwerpunkte liegen innerhalb von Regen-, Kessel- und Verlandungsmooren im Rückland der Mecklenburgischen Seenplatte sowie im Bereich des Höhenrückens und der Mecklenburgischen Seenplatte: Göldenitzer Moor, Teufelsmoor bei Horst, Teufelssee bei Thelkow, Palinger Heide, Grambower Moor, Sternberger Seengebiet, Nossentiner/ Schwinzer Heide, Müritz-Nationalpark, Neustrelitzer Kleinseenland, Feldberger Seenlandschaft. Mit Ausnahme der Elbtalniederung kommt der Lebensraumtyp kleinflächig auch in allen anderen Bereichen des Landes vor.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Hauptgefährdungsursachen dieser Gewässer sind Nährstoff- und Schadstoffeinträge (auch durch die Luft), Entwässerungen inkl. Grundwasserabsenkung, sog. "Moorrekultivierungen", fischereiliche Nutzung und Freizeitnutzung. Bei sehr kleinen Gewässern (z. B. Sölle) auch Verfüllung.

Für den Lebensraumtyp ist keine Pflege erforderlich. Es gilt jegliche Nähr- und Schadstoffeinträge weitgehend zu verhindern bzw. zu vermindern (ggf. sind Pufferzonen z. B. zu landwirtschaftlichen Nutzflächen einzurichten) und den natürlichen Wasserhaushalt zu erhalten.

Kartierhinweise

Abgrenzungskriterium ist der dystrophe Charakter des Stillgewässers. Erkennbar ist dieser an der durch den hohen Anteil an Huminsäuren verursachten Braunfärbung des Wassers. Submerse Vegetation kann vorkommen oder fehlen.

Künstliche naturferne Gewässer wie junge Torfstiche und Entwässerungsgräben in Mooren sind ausgeschlossen. Sekundäre Gewässer mit einer naturnahen Entwicklung, z. B. alte aufgelassene Torfstiche, sind eingeschlossen. Der Lebensraumtyp ist durch eine dauerhafte Wasserführung und eine Wassertiefe von i.d.R. über 20 (40) cm gekennzeichnet und dadurch von Schlenken in Hochmooren (7110, 7120) oder Übergangsmooren (7140) zu unterscheiden. Bei dominantem Auftreten von Rhynchospora-Arten und kaum ausgebildetem offenem Wasserkörper ist eine Zuordnung zum Lebensraumtyp Moorschlenke mit Rhynchosporion-Vegetation (7150) möglich.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ3160.html
  • Pott, R. & Remy, D. (2000): Gewässer des Binnenlandes, Ulmer Stuttgart 2008. 255 S.
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1998): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil I. Fels- und Mauergesellschaften, alpine Fluren, Wasser-, Verlandungs- und Moorgesellschaften. G. Fischer, Jena, 4. Aufl.315 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.

Datum: 23.05.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/suesswasser/dystrophe-seen-und-teiche/
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