natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Noch renaturierungsfähige Hochmoore
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Renaturierungsfähige degradierte Hochmoore

Noch renaturierungsfähige degradierte Hochmoore. Natura2000 - Code: 7120

Es handelt sich um im Wasserhaushalt beeinträchtigte oder teilabgetorfte Hochmoore, die noch (teilweise) regenerierbar sind. Das sind Degenerationsstadien von Hochmooren mit Einwanderung von Pfeifengras (Molinia caerulea) und Zwergstäuchern, im atlantischen Bereich z. B. der Glockenheide (Erica tetralix). Stadien mit starker flächiger Abtorfung und Entwicklungsstadien mit Einwanderung nitrophytischer Stauden gehören nicht dazu. Hochmoortypische Pflanzen sollten noch wesentliche Teile der Vegetation ausmachen.

Regenerierbarkeit bedeutet, dass die Hydrologie des Moores wiederhergestellt werden kann und im Zeitraum von 30 Jahren erneutes natürliches Torfwachstum erwartet werden kann. Meliorierte Bereiche mit Grünland- oder Ackerbewirtschaftung sind ausgeschlossen. Der Unterschied zum LRT 7110 besteht in der anthropogenen Störung der natürlichen Verhältnisse. Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten ist ähnlich wie bei den lebenden Hochmooren.

Beschreibende Pflanzenarten

BesenheideBlaues PfeifengrasPreiselbeereRauschbeere

Verbreitung

Da die geschädigten Hochmoore aus ehemals lebenden Hochmooren hervorgegangen sind, ist die Verbreitung der beiden Lebensraumtypen vergleichbar. In Deutschland findet man naturnahe Hochmoore vorwiegend in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und besonders gut ausgeprägt am nördlichen Alpenrand. Leider ist die Ausdehnung degenerierter Hochmoore mittlerweile in Deutschland größer als die noch lebender Hochmoore.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Besonders in der Vergangenheit hat der Abbau von Torf zur Zerstörung der Hochmoore beigetragen. Entwässerung und Umwandlung der Flächen in Grünland, Aufforstung und Freizeitnutzung sind aktuelle Beispiele von Beeinträchtigungen. Der Nähr- und Schadstoffeintrag aus umgebenden Flächen und der Luft erschwert die Regeneration der Moore.

Die lebenden Hochmoorkerne müssen als Ausbreitungszentren für die Neubesiedlung gestörter Bereiche erhalten werden. Das natürliche Wasser- und Nährstoffregime muss zur Renaturierung wiederhergestellt werden (z. B. Entfernung und Abdichtung von Drainagegräben). Vergraste bzw. verbuschte Bereiche sollten zum Nährstoffaustrag mit Schafen beweidet bzw. entbuscht werden.

Kartierhinweise

Entscheidend für die Zuordnung zu diesem Lebensraumtyp ist das Vorkommen von Hochmoorkernen, die zwar deutliche Zeichen einer Beeinträchtigung zeigen, aber wenigstens in Teilen noch die hochmoortypische von Torfmoosen dominierte Vegetation aufweisen. Neben beeinträchtigten primären Hochmoorkernen kann ein deutliches Moorwachstum in verlandenden Handtorfstichen als sekundärer Hochmoorkern gewertet werden. Torfmoos-Vegetation an Gräben ist kein Hochmoorkern. Das massive Eindringen von Pflanzenarten, die eine deutliche Veränderung der Trophie von den hochmoortypischen oligo-dystrophen hin zu meso- bis eutrophen Verhältnissen anzeigen, ist als Indiz einer irreversiblen Beeinträchtigung des Hochmoors zu werten. Bestände mit gravierenden Veränderungen im Wasserhaushalt mit nachfolgender Mineralisierung der Torfe und Erhöhung der Trophie sind als nicht regenerierbar einzustufen und daher auszuschließen. Damit sind großflächig maschinell abgetorfte und drainierte Flächen sowie großflächige Torfstiche ausgeschlossen.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ7120.html
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1998): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil I. Fels- und Mauergesellschaften, alpine Fluren, Wasser-, Verlandungs- und Moorgesellschaften. G. Fischer, Jena, 4. Aufl.315 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.
  • Succow, M. & Jeschke, L. (1990): Moore in der Landschaft. 2. Aufl. Urania. Berlin. 268 S.
  • Blackbourn, D. (2007): Die Eroberung der Natur - ine Geschichte der deutschen Landschaft. Pantheon. München. 592 S.

Datum: 08.12.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/moore/noch-renaturierungsfaehige-degradierte-hochmoore/
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