natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Kalktuffquellen (Cratoneurion)

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Kalktuffquellen
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Kalktuffquellen

Kalktuffquellen (Cratoneurion). Natura2000 - Code: 7220*

Der Lebensraumtyp kommt in Karstgebieten als Sicker-, Sturz- oder Tümpelquellen auf mit kalkhaltigem Wasser und Ausfällungen von Kalksinter (Kalktuff) in unmittelbarer Umgebung des Quellwasseraustritts im Wald oder im Freiland vor. Starknervmoose (Cratoneuron commutatum und Cratoneuron filicinum) sind die charakteristischen Arten. Häufig sind kalkverkrustete Moosüberzüge des Cratoneurion. Eingeschlossen sind auch Quellbäche, soweit Kalktuffbildungen vorliegen.

Bemerkenswert und aus geoökologischer Sicht hochinteressant sind verschiedene Formen der Tuffbildung wie z.B. große Sinterterassen an Bächen oder die sog. "Steinernen Rinnen" auf der Frankenalb. Die beste Übersicht hierzu gibt der Wikipedia-Artikel zu Kalktuff: de.wikipedia.org/wiki/Kalktuff.

Botanisch und zoologisch sind die Kalktuffquellen bis auf die Vorkommen der genannten Mosse kaum charakterisiert. Typisch sind Arten der Quellen, die jedoch auch in anderen kalkhaltigen Quellbereichen zu finden sind.

Beschreibende Pflanzenarten

Verbreitung

Kalktuffquellen treten verständlicherweise nur in kalkhaltigen Gebieten auf. In Deutschland findet man Kalktuffquellen außer in einigen Mittelgebirgen und dem Norddeutsche Tiefland schwerpunktmäßig auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb, sowie im Alpenraum. In Hessen sind Kalktuffquellen z.B. seltene Lebensräume und im wesentlichen auf die Kalkgebiete Nord- und Osthessens beschränkt (Ringgau, Werragebiet, Meißnervorland, Rhön, Diemeltal, Ederseeregion, Schlüchterner Becken). Nur einzelne Vorkommen sind aus dem Vogelsberg und dem Lahntal bekannt.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Zu den Hauptgefährdungen gehören die Beeinträchtigungen des Wasserhaushaltes (Wasserentnahme, Grundwasserabsenkung), Fassung und/oder Verrohrung des Quellbiotops sowie Nährstoff- und Pestizideintrag aus angrenzenden Flächen. Auch Trittschäden als Folge der Nutzung als Viehtränke beeinträchtigen die Qualität des Lebensraumtyps. In früheren Zeiten war Kalktuff auch als Baustoff und Zierfelsen in Gärten (z.B. Fränkische Schweiz) sehr beliebt, wodurch viele Kalktuffbereiche durch Abbau zerstört wurden.

Der natürliche Wasserhaushalt sollte erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Die Quellbereiche sollten in einen natürlichen Zustand überführt bzw. erhalten werden. Sie sollten vor Trittschäden geschützt werden. Durch die Einrichtung von Pufferzonen kann der Nähr- und Schadstoffeintrag aus der Umgebung gemindert werden.

Kartierhinweise

Die Zuordnung eines Vorkommens zu diesem Lebensraumtyp erfolgt bei erkennbarer Kalktuff-Bildung. Die Abgrenzung umfasst alle direkt zur Quelle gehörenden Bereiche sowie die von der entsprechenden Vegetation (Cratoneurion) eingenommene Fläche, auch wenn diese sich am Quellbach bis in den Oberlauf des Fließgewässers entlangzieht. Punktuelle und fragmentarische Vorkommen in Kalkflachmoorkomplexen werden dem LRT 7230 (Kalkreiche Niedermoore) zugeordnet und nicht separat erfasst.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ6240.html
  • URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kalktuff
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1998): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil I. Fels- und Mauergesellschaften, alpine Fluren, Wasser-, Verlandungs- und Moorgesellschaften. G. Fischer, Jena, 4. Aufl.315 S.
  • Baier, A. (2002): Die „Steinerne Rinne“ am Berg südlich Erasbach/Opf. Eine Untersuchung zur Hydrogeologie und -chemie des Seichten Karstes. Geologische Blätter NO-Bayerns 52 (1/4): 139–194.

Datum: 08.12.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/moore/kalktuffquellen-cratoneurion/
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