natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Wacholderheiden
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Wacholderbestände auf Zwergstrauchheiden oder Kalkrasen

Formationen von Juniperus communis auf Kalkheiden und -rasen. Natura2000 - Code: 5130

Wacholderheiden, also Formationen mit Juniperus communis in der Ebene und im Bergland, treten in Deutschland in zwei Varianten auf. Es sind entweder beweidete oder brachgefallene Halbtrockenrasen und trockene Magerrasen auf Kalk mit Wacholdergebüschen, Vorkommen v.a. in Süddeutschland oder verbuschte Zwergstrauchheiden (Calluna-Heiden) mit Juniperus communis (Wacholder-Zwergstrauchheiden), z.B. die Kernbereiche der Lüneburger Heide.

Der Wacholder (Juniperus communis) ist kennzeichnend für diese Formationen auf Zwergstrauchheiden oder Kalk-Halbtrockenrasen. Mit Wacholder verbuschte Zwergstrauchheiden zählen genauso zum Lebensraumtyp wie beweidete oder brachgefallene Halbtrockenrasen und trockene Magerrasen auf Kalk mit Wacholdergebüsch.

Aus Naturschutzsicht i.d.R. wertvoll, sind Wachholderheiden eher ein Zeichen für "schlechte Weidekultur" oder nicht ausreichende Bewirtschaftung der Calluna-Heiden bzw. der Halbtrockenrasen. Wacholder nimmt als "Weideunkraut" überhand und leitet eine Verbuschung ein. Dabei können auch andere verbissempfindliche Straucharten sekundär im Zentrum dichter Wacholdergebüsche aufwachsen und die Sukzession weiter beschleunigen.

Beschreibende Pflanzenarten

Gemeiner WacholderBienen-RagwurzBrand-KnabenkrautDreizähniges KnabenkrautEinknollige HonigorchisFliegen-RagwurzGroße HändelwurzGroßes ZweiblattGrünliche WaldhyazintheHelm-KnabenkrautHerbst-WendelorchisKleine Spinnen-RagwurzKleines KnabenkrautStattliches Knabenkraut

Verbreitung

Wacholderheiden kommen in vielen Regionen Deutschlands in der Ebene und im Bergland vor. Zum einen kommt er auf trockenen bis frischen flachgründigen Böden auf Kalkgestein vor. Zum anderen gibt es Vorkommen auf trockenen bis frischen, in der Regel podsolidierten Sandböden. Besonders gut ausgeprägte Vorkommen gibt es z. B. auf Jurakalk in der Schwäbischen und Fränkischen Alb, ebenso wie die weithin bekannten Vorkommen in der Lüneburger Heide auf armen Sandböden.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Der Lebensraumtyp ist durch extensive menschliche Nutzung entstanden, i.d.R. durch Beweidung mit Schafen oder Rindern. Hauptgefährdungen sind erstens die Aufgabe, zweitens die Intensivierung der Nutzung. Ersters fürht zur Verbuschung mit anschließender Bewaldung, das zweite  führt zur Veränderung der Lebensgemeinschaften. Aufforstungen führen zur direkten Vernichtung der Vorkommen. Nährstoffeintrag von angrenzenden Flächen und aus der Luft beeinträchtigt die Qualität des Lebensraumtyps.

Die Vorkommen sollten mit einer extensiven Beweidung und partieller Entbuschung gepflegt werden.

Kartierhinweise

Kriterium zur Abgrenzung dieses Lebensraumtyps ist das Vorkommen von Wacholder-Beständen. Einzelbüsche oder Bestände mit wenigen Exemplaren oder sehr lückiger Verteilung des Wacholders sind ausgeschlossen und als entsprechende Heide oder als Trockenrasen zu fassen (LRTs  23104010, 4030, 61106210). Vorwaldstadien werden hier nicht erfasst. Juniperus communis-Formationen auf Kalkflachmooren sind nicht eingeschlossen.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ5130.html
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1998): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil I. Fels- und Mauergesellschaften, alpine Fluren, Wasser-, Verlandungs- und Moorgesellschaften. G. Fischer, Jena, 4. Aufl.315 S.
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1993): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil II. Sand- und Trockenrasen, Heide- und Borstgrasgesellschaften, alpine Magerrasen, Saum-Gesellschaften, Schlag- und Hochstauden-Fluren. 3. Aufl. G. Fischer, Jena. 355 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.
  • Poschlod, P. (2015): Geschichte der Kulturlandschaft. Ulmer, Stuttgart. 320 S.
  • Beinlich, B. & Plachter, H. (1995): Schutz und Entwicklung der Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb. Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ. 83. 520 S.

Datum: 08.12.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/hartlaubgebuesche/formationen-von-juniperus-communis-auf-kalkheiden-und-rasen/
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