natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Prof. Dr. Stefan Brunzel
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Steppenrasen
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Steppenrasen

Subpannonische Steppen-Trockenrasen. Natura2000 - Code: 6240*

Subkontinentale Steppenrasen mit Vegetation des Verbands Festucion valesiacae und verwandter Gesellschaften. Die Bestände können primär oder sekundär entstanden sein. Der Lebensraumtyp findet sich einerseits auf tiefgründigen Böden, z. B. auf Schwarzerden und andererseits auf flachgründigen südexponierten Felshängen. Typisch sind die Steppenrasen in ihrem deutschen Verbreitungsschwerpunkt im Thüringer Becken und im Harzvorland auf Gips-Keuper auf überwiegend sehr flachgründigen Böden auf anstehendem Gips. Häufig finden sich bei kleinräumig wechselnden Standortbedingungen auch Übergänge zu anderen Trocken- oder Halbtrockenrasengesellschaften, z.B. den trockenen Xerobrometen, die zusammen mit den Steppenrasen in größeren Ausdehnungen am Main auf trockenwarmen Muschelkalkstandorten oder in den mitteldeutschen Trockengebieten vorwiegend auf Gips vorkommen.

Die Steppenrasen sind durch ein (sub)kontinental getöntes Klima mit warmen Sommern, kalten trockenen Wintern und insgesamt für Mitteleuropa sehr geringen Niederschlagsmengen gekennzeichnet. Zu den typischen Pflanzen gehören neben dem Namensgeber des Verbandes Walliser Schwingel (Festuca valesiaca) verschiedene Federgrasarten (Stipa spp.), das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), der Zottige Spitzkiel (Oxytropis pilosa) oder der Dänische und der Stengellose Tragant (Astragalus danicus und A. excapus).

Beschreibende Pflanzenarten

Frühlings-AdonisröschenHaar-Pfriemengras

Verbreitung

Steppenrasen haben ihren Verbreitungeschwerpunkt in Süd-Osteuropa im pannonischen Raum (daher der Name subpannonische Steppenrasen).  Deutschland ist quasi die westliche Verbreitungsgrenze dieses Lebensraumes. In Deutschland treten Steppenrasen deshalb nirgendwo häufig und großflächig auf, auch ihre Ausprägung ist meistens weniger typisch als in den eigentlichen Steppengebieten.

Die Flächen liegen nicht selten auf den niederschlagärmsten und sonnenexponiertesten Standorten in einer Region. Die Schwerpunkte der Verbreitung von Steppenrasen in Deutschland liegen in den Trockengebieten in Brandenburg (Odertal) und Sachsen-Anhalt (östliches Harzvorland) sowie in Thüringen (Thüringer Becken). Diese Gebiete zeichnen sich durch die für Deutschland geringsten Niederschläge mit stellenweise unter 500 mm aus, was in Richtung Waldsteppen-Klima Osteuropas tendiert. Kleinere Vorkommen finden sich sonst noch in Sachsen, Südhessen, dem südlichen Teil von Rheinland-Pfalz oder in Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Gefährdungsfaktoren für den Lebensraumtyp sind neben der Verbuschung nach Nutzungsaufgabe v. a. der Nährstoffeintrag und die Intensivierung der Nutzung. Weiterhin sind die Vorkommen durch intensive Freizeitnutzung, Umbruch oder Aufforstungen gefährdet.
Zur Erhaltung der Vorkommen des Lebensraumtyps ist eine extensive Weidenutzung (Schafe oder Ziegen) oder eine einschürige Mahd erforderlich. Bei starkem Gehölzaufkommen sind Entbuschungsmaßnahmen notwendig. Auf primären Beständen ist keine Pflege erforderlich. Die Freizeitnutzung sollte durch entsprechende Managementmaßnahmen und Besucherlenkung geregelt werden.

Kartierhinweise

Abgrenzungskriterium ist das Vorkommen von Vegetation der aufgeführten Syntaxa (Federgras- und Schwingelrasen des Festucion valesiacae und des Cirsio-Brachypodion - z. B. Adonido-Brachypodietum). Bestände zeigen teilweise Übergänge zu thermophilen Säumen der Trifolio-Geranietea. Solche Bestände sind eingeschlossen, wenn sie noch nennenswerte Anteile der Charakterarten der Festucetalia valesiacae und der eingeschlossenene Syntaxa enthalten.
Halbtrockenrasen und Trockenrasen werden dem LRT 6240 zugeordnet, wenn mindestens eine der folgenden subkontinentalen Trennarten auftritt: Achillea setacea, Achillea pannonica, Adonis vernalis, Astragalus danicus, Astragalus exscapus, Campanula sibirica, Carex supina, Festuca valesiaca, Oxytropis pilosa, Potentilla arenaria, Scorzonera purpurea, alle Stipa-Arten.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ6240.html
  • Baumbach, H. & Pfützenreuter, S. (Red.) (2013): Steppenlebensräume Europas — Gefährdung, Erhaltungsmaßnahmen und Schutz. Thüringer Minzisterium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz (TMLFUN), Erfurt, 456 S.
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1993): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil 3., Wirtschaftswiesen und Unkrautgesellschaften. 3. Aufl. G. Fischer, Jena. 455 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.

Datum: 23.05.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/grasland/subpannonische-steppen-trockenrasen/
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