natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Berg-Mähwiesen
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Berg-Mähwiesen

Natura2000 - Code: 6520

Artenreiche extensiv genutzte mesophile Bergwiesen der montanen (i.d.R. über 600 m) bis subalpinen Stufe mit Vegetation des Polygono-Trisetion (Goldhaferwiesen) in vielen regionalen Ausbildungen und Varianten.
Berg-Mähwiesen lösen die Flachland-Mähwiesen in den kühl-feuchten Lagen der höheren Mittelgebirge und der Alpen ab. Sie sind ebenso wie erstere eine typische Kulturformation. Enstanden und erhalten wird der Biotoptyp durch extensive Mahd ein- bis zweimal im Jahr ohne oder mit geringer Düngung (i.d.R. mit Festmist) und bisweilen gelegentlicher Beweidung (Vor- und/oder Nachweide vor und nach der Mähnutzung) gekennzeichnet ist.

Namensgebende Art ist der Goldhafer (Trisetum flavescens). Je nach Wasservorsorgung und Nährstoffreichtum können Bergwiesen Übergänge zu Nasswiesen, Borstgrasrasen oder Zwergstrauchheiden aufweisen und treten auch oft mit diesen in räumlicher Nähe auf. Weitere typische Pflanzenarten sind neben vielen anderen der Waldstorchschnabel (Geranium sylvaticum), Trollblume (Trollius europaeus), Schlangen-Knöterich (Bistorta officinalis), Bärwurz (Meum atamanticum), Bergplatterbse (Lathyrus linifolius), Ährige Teufelsralle (Phyteuma spicatum), Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia) oder Arnika (Arnica montana). Auch seltene Orchideen wie das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) oder das Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina) können vorkommen.

Beschreibende Pflanzenarten

BärwurzBerg-KleeGroße SterndoldePerücken-FlockenblumeSchlangen-KnöterichTrollblumeWald-StorchschnabelFuchssche FingerwurzGroße HändelwurzGroßes ZweiblattGrüne HohlzungeGrünliche WaldhyazintheKleines Knabenkraut

Verbreitung

Die Berg-Mähwiesen sind in Deutschland vor allem in den Mittelgebirgen verbreitet und kommen dort bis in Höhenlagen ab etwa 500 Metern vor. Die nördlichsten Bestände sind im Harz zu finden. Hauptverbreitungsgebiete sind u.a. die Eifel, das südliche Sauerland, das Schwäbische und Thüringisch-Fränkische Mittelgebirge, das Erzgebirge, der Schwarzwald und das Voralpengebiet. In Baden-Würtemberg liegen die Schwerpunkte der Verbreitung des Lebensraumtyps im Gebiet der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald. In Rheinland-Pfalz beschränken sich Berg-Mähwiesen auf die höheren Lagen der Eifel, des Westerwaldes und des Hunsrücks. Letzte Reste der "Bärwurzwiesen" (Bergwiesen mit Bärwurzvorkommen) kommen in Rheinland-Pfalz nur noch in der Eifel und sehr selten im Hunsrück vor. Die Eifel ist ein Verbreitungsschwerpunkt dieses Lebensraumtyps in Deutschland. Vorkommensschwerpunkt der Bergwiesen in Sachsen ist das Erzgebirge mit sehr gut ausgeprägten und zum Teil großflächigen Beständen mit großen Bärwurzvorkommen, wobei die Flächenanteile nach Westen (Mittelerzgebirge, Westerzgebirge) zugunsten der Waldbereiche abnehmen. Weitere Bergwiesenstandorte finden sich im Vogtland, der Sächsischen Schweiz und im Zittauer Gebirge.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Ebenso wie die Flachland-Mähwiesen sind die Berg-Mähwiesen durch Änderung der Grünlandnutzung insbesondere intensive Mahd- oder Weidenutzung, Düngung, zu frühe und zu häufige Mahd, Nutzungsaufgabe, Umbruch, Aufforstung oder die Veränderung der Feuchteverhältnisse gefährdet.
Der wichtigste Punkt für den Schutz des Lebensraumtyps ist die Fortsetzung oder Wiedereinführung der traditionellen Nutzung mit Mahd ab Mitte Juni und allenfalls geringer Düngung. Eine extensive Vor- oder Nachbeweidung ist möglich.

Kartierhinweise

Hauptkriterium der Einstufung zu diesem Lebensraumtyp ist die eindeutige Zuordnung der Vegetation zu den pflanzensoziologischen Verbänden des Polygono-Trisetion bzw. Poion alpinae (nur Alpen). Unter artenreichen Berg-Mähwiesen sind solche Bestände zu verstehen, die für die jeweilige Gesellschaft typisch ausgebildet sind und eine hohe Zahl charakteristischer Pflanzenarten aufweisen. Das Hinzutreten von gesellschaftsfremden Arten z. B. in Brachen ist in Maßen tolerabel, soll aber nicht als eine Erhöhung des Artenreichtums gewertet werden. Bei einer typischen Artenkombination sind ggf. auch Mähweiden oder jüngere Brachen eingeschlossen.

Literatur

  • URL: BfN www.bfn.de/lrt/0316-typ6520.html
  • Oberdorfer, E. (Hrsg.) (1993): Süddeutsche Pflanzengesellschaften Teil 3., Wirtschaftswiesen und Unkrautgesellschaften. 3. Aufl. G. Fischer, Jena. 455 S.
  • Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 6. Aufl. Ulmer Stuttgart. 1357 S.
  • Wilmanns, O (1998): Ökologische Pflanzensoziologie. 6. Aufl. UTB. 405 S.
  • Dierschke, H. & Briemle, G. (2002): Kulturgrasland. Ulmer. Stuttgart. 240 S.
  • Nitsche, L. & Nitsche, S. (1994): Extensive Grünlandnutzung. - Verlag Neumann, Radebeul. 247 S.
  • Briemle, G. (2003): Ansprache und Förderung von Extensiv-Grünland. Neue Wege zum Prinzip der Honorierung ökologischer Leistungen der Landwirtschaft in Baden-Württemberg. Naturschutz und Landschaftsplanung 32 (6): 171-175.
  • Hundt, R. (1964): Die Bergwiesen des Harzes, Thüringer Waldes und Erzgebirges./ Pflanzensoziologie 14 , 284 S. Jena.
  • Junghardt, S. & Gerlach, A. (1989): Bergwiesenpflege im Harz. In: Unser Harz, H. 2, 28 u. 33-35.
  • Wegener, U. (2001): Bergwiesen zwischen Ertragsmaximierung und Naturschutz. Archives of Agronomy and Soil Science 47 (3-4): 201-211.
  • Wegener, U. (1993): Schutz der Bergwiesen in Sachsen-Anhalt - Rückblick und Perspektive. Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt, 30 (1): 21–26.
  • Wegener, U. & Reichhoff, L. (1988): Zustand, Entwicklungstendenzen und Pflege der Bergwiesen. Hercynia N.F., 25: 205–213.

Datum: 23.05.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/grasland/berg-maehwiesen/
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