natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

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Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation

Natura2000 - Code: 8220

Auch Silikatfelsen, genauer gesagt großflächige Gesteinsgebilde, stellen einen besonderen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar: Flechten und Moose können unmittelbar auf dem Gestein wachsen, und erhalten ihre Wasserversorgung und Nährstoffe fast ausschließlich über die Luft oder durch Regen, herablaufendes Wasser oder nur neiderschlagenden Nebel. Silikatfelsen unterscheiden sich von Kalkfelsen dadurch, dass das Gestein sauer ist - ein Faktor, der besonders für Pflanzenarten entscheidend ist. Selten sind die Felsen so kompakt, dass nur die Felsoberfläche als Lebensraum zur Verfügung stehen. Bei näherer Betrachtung findet man zahlreiche Risse und Spalten, in denen sich geringe Mengen von Sedimenten ablagern und eine Ansiedlung auch durch höhere Pflanzen ermöglichen. Vorwiegend kleine Farne, Polster- oder Rosettenpflanzen. Da auch hier die Gesteinsart entscheidet, welche Pflanzenarten sich ansiedeln, führt man neben den hier genannten Silikatfelsen auch noch Kalkfelsen auf.

Generell entscheidet natürlich, in welcher Region man sich befindet, ob man diese oder jene Pflanzenarten finden wird oder nicht. Vergleichsweise typisch sind z.B. die Farnarten Gewöhnlicher Tüpfelfarn (Polypodium vulgare), Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes), Nordischer Streifenfarn (Asplenium septentri-onale), Schwarzer Streifenfarn (Asplenium adiantum-nigrum). Als höhere Pflanzenarten kann man verschiedene Mauerpfeffer-Arten (z.B. Sedum acre, Sedum album, Sedum telephium, Sedum dasyphyllum), Felsenleimkraut (Silene rupestris) und Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata) finden. Nicht zu vergessen zahlreiche Flechten und Moose, sofern es sich um feuchtere Standorte handelt.

Auch Tiere nutzen Silikatfelsen. Insekten wie Bienen und Wespenarten können in Rizzen oder Lücken ihre Brutröhren anlegen. Vorsprünge oder Löcher in Felsgebilden sind wichtiger Brutort für einige Vogelarten wie z.B. Uhu, Wanderfalke, Steinadler, Alpendohle, Felsenschwalbe und Mauerläufer.

Alle Arten haben Strategien entwickelt, wie sie in diesem ungewöhnlichen, extremen Lebensraum überleben können. Gleichzeitig sind sie aber auf diesen Lebensraum angewiesen und die entsprechenden Pflanzenarten könnten sich in "normalen" Wiesen nicht durchsetzen. Sie würden von anderen Arten verdrängt.

Beschreibende Pflanzenarten

Gewöhnlicher Tüpfelfarn

Verbreitung

Silikatfelsen kommen in Deutschland vorwiegend in den "sauren" Mittelgebirgen vor, sowie in einigen Bereichen der Alpen. Ein Schwerpunkt der Verbreitung liegt deshalb in Schwarzwald, Bayerischer Wald, Erzgebirge, Eifel und Hunsrück.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Felsen sind durch Abbautätigkeit des Gesteins gefährdet. Darüber hinaus kann die Nutzung der Felswände für Freizeitaktivitäten, z.B. als Kletterfelsen bedenklich sein. Während die Beeinträchtigung der Pflanzen vielleicht noch vernachlässigt werden kann, ist die Anwesenheit der Menschen für die Brutvögel fatal. Bei mehrfachen Störungen werden die Nester verlassen. Gezielte Ausweisung von Kletterbereichen und Sperrung von Abschnitten, von denen man weiß, dass dort bedrohte Vogelarten brüten, können ein einfacher Kompromiss sein.

Kartierhinweise

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Literatur

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Datum: 15.11.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/felsen-hoehlen/silikatfelsen-mit-felsspaltenvegetation/
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