natura2000 MANAGER Thüringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in Thüringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

Ansprechpartner

Prof. Dr. Stefan Brunzel
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Silikatschutthalden der Mittelgebirge
© Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de

Silikatschutthalden der kollinen bis montanen Stufe

Kieselhaltige Schutthalden der Berglagen Mitteleuropas. Natura2000 - Code: 8150

Bei entsprechendem Untergrundgestein und Hanglage konnten sich Schutthalten aus saurem Gestein bilden. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um mehr oder weniger locker liegende Anhäufungen von Schutt. Bedingt durch das Geländerelief und den wenig wasserbindenden untergrund, handelt es sich nicht selten um sehr trocken-warme Standorte. Der extreme Standort verhindert die Ausbildung eines Waldes und nur wenige Baumarten wie die Eichen können sich in den Randbereichen etablieren, wobei man denn kleinen knorrigen Pflanzen ihr hohes Alter meistens nicht ansieht. Der Lebensraum ist geprägt von dem groben bis sehr groben Substrat mit meist geringeren Anteil (aber nicht dem Fehlen) feiner Sedimente, da diese überwiegend ausgewaschen werden.

Zwischen den Steinen wachsen zerstreut verschiedene Pflanzenarten, welche den widrigen Bedingungen trotzen. Typisch ist der Gelbe Hohlzahn (Galeopsis segetum), welcher aber nicht überall anzutreffen ist. Außerdem Weidenröschen-Arten (Epilobium collinum und Epilobium lanceolatum), Klebriges Greiskraut (Senecio viscosus), Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre), Schildampfer (Rumex scutatus) und Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia). Darüber hinaus können einige Farnarten in diesem Lebensraum wachsen, vor allem, wenn es sich um weniger trocken ausprägte Standorte handelt.

Unter den Tieren sind die wärmeliebenden Reptilien Kreuzotter, Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata), Mauereidechse (Podarcis muralis) und Zauneidechse (Lacerta agilis) zu nennen, sowie die nur noch an sehr wenigen Orten in Deutschland vorkommende Äskulapnatter (Zamenis longissimus).

An den Hängen - an Mosel und in den Alpen - kann der Apollofalter (Parnassius apollo) zu sehen sein, dessen Raupe sich von Fetthenne ernährt. Ansonsten die Schmetterlingsarten Segelfalter (Iphiclides podalirius), Roter Scheckenfalter (Melitaea didyma) und Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) nachgewiesen werden.

Beschreibende Pflanzenarten

Breitblättriger HohlzahnGewöhnlicher TüpfelfarnRuprechtskraut

Verbreitung

Schutthalden aus saurem Gestein sind in den sauren Mittelgebirgen verbreitet. Man findet sie z. B. in Eifel, Hunsrück, Westerwald, Schwarzwald, Erzgebirge oder dem Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirge. Das Foto entstand am Edersee in Hessen.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)

Gefährdung und Management

Diese Lebensräume sind in der Regel natürlich entstanden und bedürfen keine Pflege durch den Menschen. Gefährdungen entstehen unmittelbar durch Abbautätigkeit oder - aufgrund der Hanglage - durch Trittbelastungen. Wie nahezu alle Lebensräume werden auch Schutthalten aus saurem Gestein durch Nährstoffeintrag (Düngung) oder Pestizide der Landwirtschaft aus angrenzenden landwirtschaftlichen Gebieten beeinträchtigt.

Kartierhinweise

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Literatur

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Datum: 23.05.2019
Online: https://www.natura2000manager.de/oekologie/lebensraeume/felsen-hoehlen/kieselhaltige-schutthalden-der-berglagen-mitteleuropas/
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