natura2000 MANAGER ThĂŒringen:
„Grundlagen, Ökologie und Management von Natura2000-Arten und -Lebensraumtypen in ThĂŒringen“

Prof. Dr. Stefan Brunzel
Landschaftsarchitektur
Biologische Vielfalt /
Artenschutz

Fachhochschule Erfurt

Vorlesungsmaterial / Slides

FFH Anteile in Europa

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Prof. Dr. Stefan Brunzel
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Grundlagen Natura 2000

Gebietsauswahl

In der EuropĂ€ischen Union wurde 1992 beschlossen ein Schutzgebietsnetz (Natura 2000) aufzubauen, welches dem Erhalt gefĂ€hrdeter wildlebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natĂŒrlichen LebensrĂ€ume in Europa dient. DafĂŒr wurden verschiedene Richtlinien erlassen, die in die einzelnen LĂ€nder-Naturschutzgesetze ĂŒbernommen wurden, wonach in den LĂ€ndern Schutzgebiete nach diesen Richtlinien ausgewiesen wurden.

Das Netz Natura 2000 besteht aus den Gebieten der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie, vom 21. Mai 1992, 92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (vom 2. April 1979, 79/409/EWG). Die sogenannten FFH-Gebiete werden auch als Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) bzw. Special Areas of Conservation (SAC) bezeichnet. Die Vogelschutzrichtlinie werden als besondere Schutzgebiete bzw. Special Protected Areas (SPA) bezeichnet. Sie wurden nach EU-weit einheitlichen Standards ausgewÀhlt und unter Schutz gestellt.

AnhÀnge

Verschiedene AnhĂ€nge der FFH-Richtlinie fĂŒhren Arten und Lebensraumtypen auf, die insgesamt in Europa gefĂ€hrdet und damit besonders schĂŒtzenswert sind und deren Erhalt durch das Natura 2000 gesichert werden soll. FĂŒr jedes Mitgliedsland gibt es separate Listen von Arten und LebensrĂ€umen, die in dem jeweiligen Land vorkommen und fĂŒr die dieses Land dann die besondere Verantwortung fĂŒr ihren Erhalt trĂ€gt. Insgesamt sind in Europa 231 Lebensraumtypen auf Anhang I und ĂŒber 1000 Tier- und Pflanzenarten auf den AnhĂ€ngen II, IV und V aufgefĂŒhrt.

In den AnhĂ€ngen I (Lebensraumtypen) und II (Arten) sind diejenigen LebensrĂ€ume und Arten aufgefĂŒhrt, die besonders gefĂ€hrdet sind und fĂŒr die daher spezielle Schutzgebiete ausgewiesen werden mĂŒssen, die sog. FFH-Gebiete. Auf Anhang IV sind die Arten, die auch außerhalb von FFH-Gebieten in allen Mitgliedsstaaten strengem Schutz unterliegen. Aufgrund ihrer starken GefĂ€hrdung finden sich daher auch fast alle Arten des Anhangs II auf Anhang IV. Bei allen Eingriffen in die Natur ist daher die Betroffenheit der Arten des Anhangs IV zu prĂŒfen.

Auf Anhang V sind die Arten gelistet, die durch die menschliche Nutzung, also durch Sammeln oder Fangen besonders beeintrĂ€chtigt wurden und die daher vor weiterer ungeregelter Nutzung geschĂŒtzt werden mĂŒssen, z.B. Frauenschuh, Arnika oder Flusskrebs.

FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete in Deutschland

In Deutschland umfasst Natura 2000 die im Rahmen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie gemeldeten Gebiete. Diese können sich rĂ€umlich ĂŒberlagern. Zusammen bedecken die insgesamt 5.206 Gebiete 15,4 % der terrestrischen FlĂ€che Deutschlands und rund 45 % der marinen FlĂ€che (Stand: 2015).
EU-weit liegt der Meldeanteil der mehr als 27.000 FFH - und Vogelschutzgebiete bei ca. 18 % der LandflÀche aller Mitgliedstaaten (Stand: 2015).

Deutschland hat 4.557 FFH-Gebiete in BrĂŒssel gemeldet, die sich auf drei biogeografische Regionen (alpin, atlantisch, kontinental) verteilen. Dies entspricht einem Meldeanteil von 9,3 % bezogen auf die LandflĂ€che. Dazu kommen 2.128.727 ha Bodensee-, Meeres-, Bodden- und WattflĂ€chen (Stand: 04.12.15).

Außerdem wurden bisher 742 Vogelschutzgebiete (BSG) gemeldet. Dies entspricht einem Meldeumfang von 11,3 % bezogen auf die LandflĂ€che. Dazu kommen 1.970.450 ha Bodensee-, Meeres-, Bodden- und WattflĂ€chen.

Quelle: BfN 2017

Bedeutung

Das Schutzkonzept von Natura 2000 ist das bedeutendste lĂ€nderĂŒbergreifende Schutzinstrument in Europa. Insbesondere die Grundgedanken des Schutzes und der Vernetzung von LebensrĂ€umen ist aus ökologischer und naturschutzfachlicher Sicht bedeutsam.

Trotz des weitreichenden Konzeptes zeigen sich bei der Verpflichtung der LĂ€nder, dass ausgewiesene Gebiete sich nicht verschlechtern dĂŒrfen, in der Praxis Umsetzungsprobleme. Vielfach fehlt es auch an Mitteln zur Umsetzung und es fehlen direkte Verpflichtungen, die Natura 2000-Gebiete in nationale Schutzkategorien umzuwandeln, es gibt nur eine „Soll-Bestimmung“, was dazu fĂŒhrt, dass der Schutz der Gebiete deutlich schwĂ€cher ist als z.B. in Naturschutzgebieten, wo es strikte Verordnungen mit Verboten und Geboten gibt.

Datum: 21.11.2018
Online: https://www.natura2000manager.de/grundlagen-natura2000/einfuehrung/
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